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Hörbücher: Ein Paradies der Barrierefreiheit?

Hörbücher gelten oft als barrierefreiere Variante der Papierbücher. Das stimmt für einen Teil der Lesenden, trotzdem stoßen auch die Hörbücher beim barrierefreien Lesen schnell an ihre Grenzen. Ich beleuchte in diesem Artikel die Vorteile der Hörbücher. Gleichzeitig erläutere ich aber auch, warum es noch ein langer Weg ist, bis alle Menschen barrierefrei lesen können.

Weiße In-Ear Kopfhörer vor unscharfen Hintergrund

credit: cc – flickr: Fe Ilya – http://bit.ly/2Aqugy9

 

Es ist kein Geheimnis: Ich liebe Bücher. Wobei ich mittlerweile genauer sage: ich liebe Geschichten. Das trifft es eher, denn auch wenn ich geschriebene Geschichten favorisiere, war ich nie an ein einziges Medium gebunden. Heutzutage mag ich deswegen Ebooks ebenso gerne wie die klassischen Papierbücher – von Filmen und Serien gar nicht erst anzufangen. Lange vor meinem ersten Ebook hatte ich jedoch schon einen anderen heiligen Gral gefunden: Hörbücher.

Die ewigwachsende Bibliothek

2006 begann meine Schulzeit in der Oberstufe und damit auch der Literaturleistungskurs. Passender Weise fand ich im gleichen Jahr meine persönliche Schatzinsel im Internet: Audible. Schnell zusammengefasst lässt sich sagen: ich widme Audible meine Deutschnote im Abitur. 10 Jahre später wächst meine Bibilothek an Hörbüchern dort immer noch, weil Hörbücher eben nicht nur Zeit sparen und nebenbei Spaß machen. Mir ersparen sie auch das Halten und das Blättern von Büchern, das je nach Format für mich sehr anstrengend bis nahezu unmöglich ist. Außerdem bleiben die Hörbücher alle an einem zugänglichen Ort und stehen nicht im unerreichbaren obersten Regal. Für meine Bedürfnisse bieten Hörbücher also einen barrierefreieren Weg zum Lesen.

Insbesondere Audible bietet einen Service an, der zumindest eine Schwäche von Hörbüchern ausgleicht: eine große Vielfalt an ungekürzten Versionen. Immer noch produzieren viele Verlage gekürzte Hörbücher. Das ist für uns, die Mehrzahl der Lesenden, zwar hin und wieder ärgerlich, aber eine echte Ausgrenzug stellt es für die Leserschaft dar, die nicht mal schnell ans Ebook oder Papierbuch kommt: blinde und  seheingeschränkte Menschen.

Hörbücher für blinde Menschen: Ein Schlüsseloch

Für blinde Menschen gibt es außerhalb von Hörbüchern meist zwei Wege, um lesen zu können: Bücher mit Blindenschrift oder selbst eingescannte Bücher, die dann von einer Software vorgelesen werden. Bücher mit Blindenschift sind teuer in der Produktion und werden daher nur ausgewählt hergestellt. Das Einscannen von Büchern ist zeit – und arbeitsaufwändig. Hörbücher scheinen da viel niedrigere Barrieren zu haben, aber sie bieten höchstens einen kleinen Zugang zum Büchermarkt.

Wer gerne Bücher aus der Unterhaltung  oder Weltklassiker liest, findet noch ein großes Angebot. Im Bereich der Sachbücher schrumpft die Vielfalt schnell extrem zusammen. Fachbücher, insbesondere aus Deutschland, existeren nur in großen Ausnahmefällen. Mit Hörbüchern wissenschaftlich zu arbeiten ist aufgrund fehlender Zitierbarkeit sowieso extrem schwierig.
Von „Barrierefreiheit“ beim Lesen zu sprechen, ist also nur mit riesigen Anführungszeichen möglich.

Barrierefreies Lesen bleibt Luxus

Anlaufstellen, um die Schwierigkeiten zumindest zu mindern, bieten die Blindenhörbuchbibliotheken. Diese stellen neben Blindenschriftbüchern auch eine Vielzahl an Hörbüchern im Format DAISY  bereit. DAISY ist ein speziell entwickeltes Format, das Hörbücher besser strukturierbar  macht, damit zum Beispiel das wissenschaftliche Arbeiten anhand von Seitenzahlen erleichert wird. In Deutschland exstieren acht solcher Hörbuchbibliotheken, die größte davon befindet sich in Leipzig. Sie bietet rund 60.000 Medien an, die teils heruntergeladen werden können. Das klingt nach einer Menge Auswahl. Nur ein Klick weiter verdeutlicht die Dimension: die Stadtbibliothek Bochum bietet etwa das 6-fache an Medien.

Am Ende steht das Gefühl der Freiheit und der Dankbarkeit, dass ich alle Medien nutzen kann – aber vor allem bleibt die Frage: Warum ist Barriereheit beim Lesen in Zeiten der Digitalisierung immer noch ein Luxus, der so viele Menschen ausschließt?

Dieser Beitrag ist in freundlicher Zusammenarbeit mit Audible entstanden

2 Kommentare zu Hörbücher: Ein Paradies der Barrierefreiheit?

  1. Hey ho,
    jetzt bin ich endlich dazu gekommen, deinen Artikel zu lesen. Dein Beitrag ist wirklich gut geschrieben und interessant gestaltet. Vielen Dank dafür :-)

    Ich bin selbst hochgradig sehbehindert, habe momentan einen Sehrest von 2%. Ich lese ebenfalls sehr gerne, brauche mittlerweile aber sehr lange, um Printbücher zu lesen. Deswegen bin ich größtenteils auf Hörbücher umgestiegen. Eine Freundin von mir hat mir kleinlaut gestanden, dass sie immer noch schneller liest als der Hörbuchsprecher bzw. die Hörbuchsprecherin. Für mich ist das Hörbuch aber ein großes Lesevergnügen.

    Früher war ich auch ziemlich genervt von den gekürzten Hörbüchern, weil ich einfach nicht hundertprozentig wusste, welche inhaltlichen Details gestrichen wurden. Mittlerweile verlasse ich mich einfach darauf, dass wirklich „sensibel“ gekürzt wird, da ich momentan nicht die Wahl zwischen einem Print- und einem Hörbuch habe und mich die Aggression nur jede Menge Energie kostet. Ich habe das Glück, dass das Verlagsprogramm des Hörverlags meinen Lesegeschmack relativ gut abdeckt und ich so recht viel Lesestoff habe. An audible nervt mich vor allem das Audible Format. Ich kann die Hörbücher nicht einfach auf dem PC hören, sondern brauche hierfür extra Player. Toll finde ich aber, dass audible extra die MP3 Player auflistet, mit denen man Audible Hörbücher hören kann. Andererseits kann ich auch gut verstehen, dass die Hörbücher gut kopiergeschützt sind. Das Unternehmen muss ja auch etwas davon haben. Und das wäre ja dann blöd, wenn die Hörbücher untereinander getauscht werden.

    Ab 2018 lerne ich – wenn die Reha bewilligt wird – Punktschrift. Und dann habe ich die Hoffnung, dass ich eBooks für mich entdecken kann. Der einzige Nachteil: Das Buch steht dann nicht mehr haptisch im Regal. Aber letztendlich erhoffe ich mir, so wieder die Wahl zwischen dem Lesen und Hören von Büchern zu haben.

    Ich wünsche dir einen guten Rutsch ins neue Jahr! :-)

    viele Grüße

    Emma

  2. eBooks können für blinde Leser eine Alternative sein. Leider ist die komfortable Ausgabe auf eine Braillezeile nicht immer gegeben. Zum Teil liegt es an DRM zum anderen daran, das viele Apps die Texte zwar darstellen, aber oft ohne Formatierung usw.
    Aber auch das Hören von Hörbüchern ist eingeschränkt, da z. B. AUDIBLE ein Schutzsystem verwendet, dass es schwer macht, das Hörbuch mit dem Gerät zu hören, mit dem man am besten umgehen kann.

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