News Ticker

Eure Luxus-Strohhalme sind meine Freiheit

Mein Kaffeebecher
Heute ist es das erste Mal passiert: Ich bekam im Café keinen Strohhalm mehr. Dort, wo ich die letzten 10 Jahre immer Strohhalme bekam. „Wegen Plastik“, sagt die Kassierin, während vor ihr die eingeschweißten Plastikgabeln liegen.
*
Ich war heute zur Recherche in der Unibibliothek. Für den Heimweg entschied ich mich, ganz spontan mir einen Chai-Latte mitzunehmen. Wie so oft in den letzten 10 Jahren. Erst nach dem ich den Latte bekam, fiel mir auf, dass es im Bibliotheks-Café keine Strohhalme mehr gab. „Haben wir nicht mehr. Wegen Plastik“ war die Antwort auf die Nachfrage.
*
Da stand ich also an einem wirklichen miesen Tag mit meinem Rettungs-Chai und konnte mich doch nicht retten. Weil es keine Strohhalme mehr gab. Weil ich genau diese Strohhalme zum Trinken brauche.
*
Oft habe ich jetzt schon selbst Strohhalme dabei. Diesmal nicht, weil ich sie erst vor kurzem aufgebraucht habe. Weil es eine spontane Entscheidung war und es ja auch immer welche gab. Ich habe mich in den letzten Wochen oft mit Menschen über die Verbannung von Strohhalmen unterhalten und fast immer war die Lösung: „Es wird schon Alternativen geben.“ – Heute gab es keine und ich glaube, so wird es in der Zukunft öfter sein. Es werden Strohhalme in den Café und Bars einfach ersatzlos wegfallen. Es wird meine Aufgabe sein, die Alternativen mitzubringen. Eine Aufgabe mehr. Eine Sache mehr, die ich planen und checken muss. Eine Sache mehr, auf die ich im Zweifelfall verzichten muss, wenn ich „meine Augabe“ mal an miesen Tagen vergesse. Wieder ein Stück Spontanität weniger in meinen Leben, das schon jetzt kaum Platz hat, um wirklich frei und spontan zu sein.
———————————————————————————

Der Zwang von außen

Am Ende von diesem Erlebnis gibt es immer noch zwei offene Fragen:
Bin ich „die Böse“ in dieser Geschichte? Immerhin geht es um die Umwelt. Und ja: Wir Menschen haben wirklich ein Plastikproblem. Ohne Zweifel. Ich finde es nur nicht besonders fair, dass wir Menschen mit Behinderungen die einzige Gruppe sind, die von außen gezwungen werden, uns deswegen umzustellen.
Während zum Beispiel Plastikverpackungen im Supermarkt friedlich weiter existieren, weil es so schön bequem ist, ohne andere Behälter einkaufen zu gehen.

Gute Alternativen?

Tabelle über die Vor- und Nachteile der Strohhalmalternativen

by @sarahbreannep

Auf die zweite Frage möchte ich nur kurz eingehen, weil es dazu schon mehrere Artikel gibt:
Was sind eigentlich richtig gute Alternativen zum Plastikstrohhalm?
Ich benötige zum Beispiel Strohhalme, die knickbar sind. Damit sind Glas und Metal schon raus. Papier und Nudeln (ja, Nudeln!) halten keine Hitze aus. Silikon, Bambus und Co. sind teilweise nicht geschmacksneutral und teuer zudem. Wer sich über dieses Thema näher Infomieren möchte, kann bei Twitter zum Beispiel unter dem Hashtag #strawban schauen oder bei bei Raul Krauthausen weiterlesen.

Ich werde mir jetzt zuhause einen Tee machen und ihn mit einem Strohhalm aus Plastik trinken, während ich in einem Second-Hand-Shop nach Kleidern schaue. Umweltschutz braucht nämlich mehr als nur eine Lösung.

4 Kommentare zu Eure Luxus-Strohhalme sind meine Freiheit

  1. Für mich klingt es nach dem klassischen: “Ich kann nicht vegan leben, weil mkr keine Ersatzmilch schmeckt.” Du willst keine Alternativen finden. Es ist nunmal Mehraufwand Gewohnheiten zu ändern und eine passende Alternative zu finden und selbst mitzubringen, anstatt alles beim Alten zu belassen.
    Und je größer die Nachfrage nach Alternativen ist, desto besser wird auch die Auswahl.

    • richtig. Es ist Mehraufwand. Mehraufwand, der uns Menschen mit Behinderung noch oben drauf gedrückt wird, ohne das wir eine Wahl haben.
      Und: “nimm doch selbst welche mit!” lässt sich super sagen, wenn man selbst ein Leben führt, in dem prinzipell alles überall vorhanden ist. “Den Lieblingsbecher vergessen? Ach,egal, dann nehme ich heute doch den vom Cafè!” – “Den Strohhalm vergessen? Tja, dann bin ich wohl die nächsten x Stunden durstig.” Merkst du den Unterschied?

  2. Man kann doch auch ohne Strohhalm trinken. Du bist doch jetzt schon ein großes Mädchen. ;-)
    Wurde mir immer gesagt als ich fünf war. Diese Regelung ist meiner Absicht nach schon sinnvoll.
    Es sollte an viel mehr echten auf Einweg Plastik verzichtet werden. Ob Einweg Papier eine passende Alternative ist, weiß ich nicht. ;)

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Durch das Fortsetzen der Benutzung dieser Seite, stimmst du der Benutzung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen