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Die verrückteste Woche meines Jahres – Campaign Boostcamp 2015

Am letzten Tag in der letzten Session wollte der letzte Trainer von uns wissen, warum wir am Camp teilnehmen - wider meiner Erwartungen fiel mir sofort eine sehr simple Antwort ein, die neben aller fachlichen Neugier auch noch den Kern der Wahrheit traf: ich wollte wissen, ob ich hier hin gehöre.

Ich bin  ins Campaign Boostcamp gestartet ohne eine genaue Idee zu haben, was Kampagnen eigentlich exact sind –  ganz zu schweigen von den ganzen Fachbegriffen wie „theory of change“ oder „Grassroots.“ Dass ich fachlich also noch jede Menge zu lernen hatte, war mir von anfang an bewusst. Meine persönliche Frage war, ob ich in diese Gruppe von Menschen reinpassen würde. Das Boostcamp ist so aufgebaut, dass etwa 30 Menschen eine Woche lang zusammen leben und von vielen renomierten Trainern und Vortragenden in Kampagnenarbeit geschult werden. Die Tatsache, dass ich eine Woche mit 30 fremden Menschen zusammen sein würde, war für mich  von Beginn an die größte Herausforderung. Ich bin zwar eigentlich ein sehr geselliger Mensch, der mit vielen verschiedenen Menschen auskommt, allerdings habe ich die Erfahrungen gemacht, sobald sich kleine einzelnen Gruppen bilden, bin ich raus.

Ich kann jetzt schon sagen, dass die Woche mir auf allen Bereichen mehr gebracht, hat als ich je gedacht habe. Es ist so viel passiert, dass es unmöglich wäre, hier die ganze Woche nachzuerzählen, deswegen habe ich mich dazu entschieden, ein Rückblick in Stichpunkten zu geben.  Here we go:

 

Eine Woche lang war ich mit über 30 anderen Menschen in der Nähe von Berin und habe viel über Kampagnenarbeit gelernt
Bild: Andi Weiland – Andiweiland.de

 

Meine Tiefpunkte:

Es gab nicht  viele, aber es gab Tiefpunkte, die aber meiner Meinung genauso wie alle Höhepunkte dazu gehören.

  • Die Anreise mit dem Schiff: Dass wir von Postdamer HBF mit den Schiff weiterreisen war ansich eine total tolle Idee. Leider war weder der Weg zum Anleger, noch das Boot an sich barrierefrei. Auch wenn wir mit vereinten Kräften alle Stufen überwunden haben, hätte ich mich mit mehr Wissen anders vorbereitet, bzw. auf jedenfall zwei Assistenten mit zum Camp genommen. Stichwort Rückenschmerzen.

 

  • Montag: Der Montag war für mich der schwierigste Tage. Sowohl meinen Assistenten als auch mir ging es nicht besonders gut, so dass ich sogar meine Planspielgruppe am ersten Tag fast gar nicht unterstützen konnte. Ich dachte, damit wäre ich direkt raus aus der Gruppendynamik. Außerdem war Montag „Politiktag “ – das Themengebiet, von dem ich am wenigsten Ahnung hatte und habe. Das führte dazu, dass  ich den Gedanken hatte, dass ich vielleicht doch zu hoch gepokert habe und nicht ins  Camp gehöre. 10 Sekunden lang habe ich sogar darüber nachgedacht, das Camp abzubrechen. Aber Aufgeben war ja noch nie mein Ding – zum Glück

 

Meine Höhepunkte

Ehrlich gesagt gab es davon so viele, dass ich hier nur eine beliebige Auswahl in beliebiger Reihenfolge aufzähle, die noch verlängert werden könnte

  •    Meine Planspielgruppe: Erstmal haben Sie mir meinen Totalausfall am Montag überhaupt nicht übel genommen, was ich ihnen immer noch sehr hochanrechne. Dann hatten wir alle sehrschnell unsere Stärken herausgefunden – ich war der Internetnerd – und haben uns dann entschieden, dass jeder das machen soll, was er noch gar nicht beherrscht.  Sich auf seine Schwächen und eben gerade nicht auf seine Stärken zu konzentrieren, klappt meiner Meinung nach nur bei einem total starken Gruppenzusammenhalt, der bei uns wahnsinning schnell funktioniert hat.

 

die beste Homegruppe forevaaaar
Bild: Uwe Steckhan

  • Homegroup: Erstmal fand ich das Konzept der Homegroups total super. Dahinter steht die Idee, dass man sich jeden Tag eine halbe Stunde in einer festen Kleingruppe zusammensetzt und über Erfolge und Probleme vom Tag spricht. Das hat den Effekt, dass man sich erstmal selbst nochmal mit dem Tag auseinander setzt und gleichzeitig hat man ein kleines Sicherheitnetz mit Menschen, die sich gegenseitig auffangen. Meine Homegroup war natürlich die Beste, weil wir so unschiedlich waren, dass wir enorm viel neue Ansichten mitnehmen konnten.

 

  • Die Atmosphäre: Ich weiß nicht, wie das eigentlich möglich war, weil wir wie beschrieben  oft schon  in Kleingruppen gearbeitet haben, aber sobald wir in den Pausen waren, gab es so gut wie keine festen Gruppen, alles war total offen und jeder konnte jederzeit mit jedem zusammensitzen. Diese lockere Atmosphäre hat mich total überrascht und hat dazu geführt, dass selbst ich scheues Huhn  mit beinah allen anderen ein längeres Gespräch geführt habe.

 

  • Die Session mit Katrin: Jede/r TrainerIn und Vortragende hat mir neue Sachen vermittelt und mich weitergebracht und gehört damit eigentlich auf diese Liste, aber als Dawanda-Fangirl war es mir eine besondere Ehre mit  Katrin etwas über Mobile Webentwicklung und Tomatesoße* zu lernen.

* wer hätte es geahnt: INSIDER

  •  Poetryslam: Nicht nur, dass ich sowieso ein großer Fan von Poetryslams an sich und nochmal doppelt von spontanen Poetryslams bin, aber gerade bei diesem nicht geplanten Programmpunkt habe ich viel über meine eignen Voruteile gelernt und darüber, dass Verletzlichkeit nicht immer gleichzeitig mit Schwäche einhergehen muss.

 

Erkenntnisse:

  • Ich kann das mit den Menschen: Das hört sich jetzt nach einer total banalen Erkenntnis an, aber für mich ist es die  größte Sache überhaupt, die ich aus dem Camp mitnehme. Ich kann ein Teil einer Gruppe sein, der nicht nur geduldet wird,  der sondern auch eine Gruppe voranbringt und anderen etwas beibringen kann.

 

  • Raus aus der Filterbubble: Etwas, was mir während der Woche wieder total bewusst wurde, wer Inklusion voranbringen will, darf sich nicht nur mit Menschen mit Behinderungen unterhalten. Während den Gesprächen mit den anderen Teilnehmern habe ich immer wieder so viele Anknüpfungspunkte bei Themen gefunden, von denen ich vorher dachte : Nicht meine Baustelle. Denkste!

 

  • Schokolade is my friend: Bei Stress und Druck brauche ich Schokolade, um zu funktionieren.

 

  • Politik ist kein Hexenwerk: Man muss nur wissen, wer, wann und warum.

 

Und jetzt?

Das Problem an einem Camp ist, dass man total motiviert herausgeht und dann kommt der Alltag. Die Kunst ist sich die Energie zu bewahren.

Ich würde das gelernte Wissen gerne jetzt praktisch zusammen mit anderen anwenden. Dazu suche ich gerade einen bestehenden Verein, eine Gruppe oder einfach ein paar Leute im Ruhrgebiet, die Lust drauf haben, sich mit Thema Inklusion bzw. auch Gesellschaft an sich auseinander zu setzen und Sachen und Aktionen anzustoßen. Ihr könnt euch gerne unter rollifraeulein@email.de bei mir melden.

Gleichzeitig habe ich fest vor, den Blog wieder stärker zu nutzen, der in letzter  Zeit hinter der Uni und anderen Verpflichtungen ziemlich zurückstecken musste.

Es gibt so viele tolle Menschen draußen, die sich so sehr dafür einsetzen, dass die Welt etwas besser wird, ich will unbedingt meinen Teil dazu beitragen!

 

Natürlich kann ein Beitrag über das Boostcamp 2015 nur auf eine Art enden:

Danke an alle Teilnehmer für diese besondere Woche und einen virtuellen Abklaschtunnel für das gesamte Boostcamp- und Paretzteam, die ihre Freizeit und sogar ihren Urlaub für uns geopfert haben. Aus Angst jemanden zu vergessen, verzichte ich auf Namensnennungen, aber ihr wart ALLE großartig!

Class of 2015 + Organisatoren beim Campaign Boostcamp
Bild: Andi Weiland – Andiweiland.de

 

 

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