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Inklusive Kulturarbeit braucht Augenhöhe #LVRKulturKonferenz

– Dieser Bericht ist Teil meiner bezahlten Kooperation mit dem LVR –

In diesem Jahr fand die #LVRKulturkonferenz zum zweiten Mal online statt. Die #LVRKulturKonferenz ist eine jährliche Veranstaltung, die jedes Jahr unter einem anderen Motto kulturtreibende Menschen untereinander und mit ihren Besucher*Innen in den Austausch bringt. Für dieses Jahr war das Motto „digital und inklusiv“ festgelegt. Das ist sozusagen das Stichwort für meinen Auftritt. Ich hatte das große Glück für die #LVRKulturKonferenz als digitale Begleitung auf Twitter angefragt zu werden. Ich habe mich riesig gefreut, denn ganz ehrlich war wegen Corona die Auftragslage in Richtung Kultur so gut wie weggebrochen. Da ich einigermaßen breit aufgestellt bin, hat mich das jetzt nicht in eine große Krise gestürzt, aber mein Herz hängt sehr an der Kultur, von daher war es sehr wohltuend endlich mal wieder in dieser Richtung arbeiten zu können.

Moderatorin Ninia LaGrande und Prof. Dr. Thorsten Valk vom LVR-LandesMuseum auf der Bühne des Museums Beide schauen in die Kamera. Der Hintergrund wird blau angestrahlt Ninia LaGrande trägt einen pinken Anzug mit einem gelben Oberteil. Thorsten Falk trägt einen grauen Anzug und ein weißes Hemd. Im Vordergrund steht ein Bildschirm, wo steht: Herzlich Wilkommen zur LVR-Kulturkonfrenz. Gleich geht es los.
Dr. Thorsten Valk und Ninia LaGrande eröffnen die #LVRKulturKonferenz Bildrechte beim LVR.

Der erste und einzige Schock kam für mich, als ich erfahren habe, dass die Herbergsmütter die erste digitale Kulturkonferenz begleitet haben. Die Herbergsmütter sind ein Kreativkollektiv aus drei großartigen Frauen, von denen ich wirklich ein großes Fangirl bin. Dementsprechend groß kamen mir die Fußabdrücke vor, in die ich da hinein hineinklettern sollte. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich nicht ein paar Minuten (oder vielleicht sogar Stunden) überlegt hätte, ob diese Nummer nicht ein bisschen zu groß für mich ist. Im Rückblick bin ich froh, dabei geblieben und so ein Teil eines tollen Tages geworden zu sein.

Dieser Tag begann damit, dass Moderatorin Ninia LaGrande und Prof. Dr. Thorsten Valk vom LVR-LandesMuseum Bonn die Kulturkonferenz auf der Bühne im LVR-Landesmuseum Bonn eröffnet haben. Denn auch wenn die Kulturkonferenz digital stattfand, war Moderatorin Ninia LaGrande mit allen Vortragenden vor Ort im Landesmuseum. Das hat für mich die Stimmung der LVR-Konferenz sehr besonders gemacht, da es direkt erlebbar war, dass wir uns auch nach Corona nicht immer zwischen Digitalität und vor Ort entscheiden müssen, sondern es eben auch gute Mischformen geben kann.

“Design ist nie wirklich abgeschlossen.”

Nach der Begrüßung wurde der Film “Museum Insights”: Inklusiv durch das LVR-LandesMuseum Bonn vom Regisseur Leonard Grobien, der selbst eine Behinderung hat, vorgestellt. Dieser Beitrag zeigte vor allem die großen Veränderungen des Museums, die für mehr Barrierefreiheit getroffen wurden. in diesem Sinne fing der Regisseur gut die Aufbruchstimmung ein, die den Rest der Veranstaltung auch blieb und eine gute Dynamik entwickelte.

Ein großes Highlight für mich persönlich war der Keynote-Vortrag des Designforschers Dr. Tom Bieling von der HAW Hamburg. Unter dem Titel „Kultur der Digitalität – für alle?“ stellte Dr. Bieling viele Grundlagen her, die sich auch in den folgenden Projekten immer wieder finden konnten.
Eine wichtige Frage des Vortrages lautete zum Beispiel „Wie stark ist Design an Exklusion beteiligt? “ Antwort: Sehr stark, „da die meisten Designs nur für Mehrheiten gedacht sind.“ Dr. Bieling stellte seine wissenschaftliche Überzeugung dar, dass es besser sei erst gar keine Barrieren entstehen zu lassen, als später nachzurüsten. Außerdem müssten Forscher*Innen betroffene Menschen als Expert*Innen in den ganzen Entwicklungsprozess miteinbeziehen, nicht nur in der Endphase.

Vier Projekte, vier andere inklusive Wege

Der Hauptteil der Konferenz bestand daraus, dass sich verschiedene Projekte im kurzen Rahmen vorstellen konnten. Die Vorstellung dauerte immer zwischen 10 und 15 Minuten, woran sich dann noch ein kurzes Interview mit Ninia LaGrande anschloss. Durch diesen kurzen Zeitrahmen gab es eine Menge Vielseitigkeit und Bewegung, trotzdem schaffte es vor allem die Moderatorin allen Projekte so viel Raum zu geben, dass der ständige Wechsel nicht in die Gleichgültigkeit abrutschte.

Das Projekt „ALL YOUR BASE. Digitale Kunst, mobil, hybrid und barrierearm“ stellte der Musiker Maximilian Schweder vor. Es handelt sich dabei, um eine mobile Multimedia-Anlage mit der Künstler*Innen digitale Kunst, Musik- und Lichtshows auf die Straße bringen können. Der Wagen ist unterfahrbar und kann daher auch vom Rollstuhl aus genutzt werden.

Das nächste Projekt trug den Titel: Spielerische Inklusion: das Museums-Game „Neanderthal: Memories“. Anne Riethus vom Neanderthal-Museum und Tamara Ströter vom Blinden- und Sehbehindertenverein für den Kreis Mettmann e. V stellten eine App vor, die eine interaktive Hörgeschichte anbietet. Durch diese interaktive Hörgeschichte sollen blinden und sehbehinderte Besucher*Innen durch die Dauerausstellung des Museums geleitet werden. Mithilfe von Taststationen im Museum und der App gestaltet sich die Geschichte interaktiv erlebbar. Zentral wae auch bei diesem Projekt die Zusammenarbeit mit verschiedenen Menschen mit Behinderung.

„Wo ist es denn, dieses digitale Foyer?“ fragte sich danach Lena tom Dieck von der Deutschen Opfer am Rhein und der FFT Düsseldorf. Das digitale Foyer versteht sich als Brücke zwischen Online und Offlinewelt, die die Oper für verschiedene Gruppen greifbar und zugänglich machen will. Dazu greift es auf eine Vielzahl von verschiedeneren Projekten auf – zum Beispiel ein Chatbot, der Opernbesucher*Innen spielerisch begrüßen soll. Viele Projekte, die im Rahmen des digitalen Foyers entstehen, sind opensource und damit auch für weitere Projekte nutzbar.

Das letzte Projekt, das vorgestellt wurde, hieß BREAKATHON – digitale Innovationen für weniger Barrieren durch inklusive Kollaboration“. Matthias Strobel vom Bundesverband Musiktechnologie Deutschland stellte das internationale Projekt vor, dass aufgrund von Corona digital ablief, obwohl es vor Ort geplant war. Aus dieser ungeplanten Digitalität ergab sich, dass sich Menschen mit und ohne Behinderung aus 7 verschiedenen Ländern miteinander Ideen entwickelten, um Live-Musikveranstaltungen barrierefreier zu machen.
Auch hier stehen alle Ideen opensource zur Verfügung und können weiter entwickelt werden.

Verschmelzung von analoger und digitaler Welt wird wichtiger.

Nach der Vorstellung der Projekte folgte die für mich vielversprechende Diskussion zwischen Domingos de Oliveira, freiberuflicher Accessibility Consultant, Melanie Eilert, Bloggerin, Inklusionsaktivistin und Accessibility-Expertin Dr. Anne Segbers, LVR-LandesMuseum Bonn. Jede*r der drei Personen hätte die Dreiviertelstunde der Diskussion sicher auch alleine füllen können. Unter anderem deswegen wurde es mehr ein inhaltlicher Mix als ein wirklicher Austausch, der natürlich trotzdem einige wichtige Aussagen bereithielt.

Die Talkrunde sitzt auf der Bühne mit Moderatorin Ninia Lagrande. Vor der Bühne stehen Kameras und ein Tisch mit Laptops, an denen Menschen arbeiten.
Die Diskussionsrunde auf der Bühne. Bildrechte beim LVR

Domingos de Olivera sprach immer wieder davon,dass Barrierefreiheit auch im Netz wichtig sei und viele Webseiten dafür immer noch viel zu komplex seien. Er verwies unter anderem auch auf das Barrierefreiheitsstärkung gesetz, wonach auch private Anbieter*Innen ab 2025 zur digitalen Barrierefreiheit verpflichtet seien. Nicht zuletzt macht er deutlich, dass es wichtig sei, verschiedene Medien miteinander zu verbinden, um Menschen auf verschiedenen Ebenen zu erreichen.

Melanie Eilert kritisierte unter anderem, dass in es in Games oft viele Barrieren gäbe, etwa durch fehlende Bildbeschreibungen, fehlende Untertitel und zu kurzen Eingabezeiten. Sie sprach die Spielentwicklungsabteilungen auch direkt an: „Probiert neue Tools mit verschiedenen Zielgruppen mit Behinderungen aus!“

An diesem Punkt hakte Anne Segbers ein, die davon sprach, dass sich durch Digitalität viele neue Wege ergäben, um Sachen auszuprobieren. Menschen mit und ohne Behinderung müssten zusammenarbeiten, um Barrieren abzubauen. Dann sprach Anne Segbergs aber auch noch den wichtigen Punkt an, dass Digitalität auch viele Menschen mit Behinderung ausgrenze, weil ihnen der Zugang dazu fehlt.

Alle drei Diskutierenden stimmten einander zu, dass dieser Zustand nicht mehr tragbar sei und insbesondere in vielen Einrichtungen für Menschen mit Behinderung verändert werden müsse.

Technische Ausstattung in Einrichtungen neu verhandeln

Dieser Punkt bietet auch die ideale Brücke zur letzten Diskussion des Tages zwischen Klaus Kaiser, als Parlamentarischer Staatssekretär im Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen und Milena Karabaic als LVR-Dezernentin Kultur und Landschaftliche Kulturpflege.

Auch Frau Karabaic sah Handlungsbedarf und stellte fest, dass die technische Ausstattung von Menschen mit Behinderung in Einrichtungen neu verhandelt werden müsse. Immer wieder verwies sie dabei auch die digitale Agenda des LVRs, die auf der Webseite des LVRs nachgelesen werden kann.

Herr Kaiser sagte ein bisschen allgemein, dass jetzt die Zeit sei, Ideen zu entwickeln, um behinderte Menschen mit einzubinden. Danach stellte er aber positiv in Aussicht, dass das Land NRW mehr inklusive Digitalprojekte unterstützen wolle.

Das Ende der #LVRKulturkonferenz macht Ninia LaGrande mit einem eigenen Poetrybeitrag rund.

Falls sich das für euch nach einen ziemlichen langen Tag anhört, täuscht euch dieser Eindruck nicht. Aber es war zumindest ein langer, vielseitiger und wichtiger Tag, denn nach einem Fazit für die #LVR-KulturKonferenz brauchte ich wirklich nicht lange zu suchen. Es sprang mich quasi aus jedem Vortrag und jeder Diskussion an:

Kultur kann inklusive Orte gestalten, wenn Menschen mit und ohne Behinderung auf Augenhöhe zusammenarbeiten und sich gegenseitig als Expert*Innen begreifen.

Jetzt könnt ihr natürlich seufzen und sagen, ist das nicht ein bisschen basic als Erkenntnis? Dann nicke ich und sage: Die #LVRKulturKonferenz hat die Inklusion sicher nicht neu erfunden. Aber sie hat etwas gemacht, was meiner Meinung nach viel zu selten passiert: Die #LVRKulturKonferenz hat gezeigt, dass aus der Theorie heraus wirklich fassbare Projekte und Verbindungen entstehen können. Das bleibt und begleitet hoffentlich noch viele neue Ideen und Begegnungen.

Videos von der LVRKulturKonferenz könnt ihr euch hier anschauen: https://www.youtube.com/channel/UCyg2ZMfRlG2FX4Qg-o-06Aw/videos

– Dieser Bericht ist Teil meiner bezahlten Kooperation mit dem LVR –

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