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5 Vorraussetzungen zum Schreiben

Vor ein paar Tagen hat Raul Krauthausen sein Buch „Dachdecker wollte ich eh nicht werden“ veröffentlicht. Zu dem Buch selbst werde ich demnächst eine ausführliche Rezension schreiben. Heute möchte ich erstmal auf ein Kommentar eingehen, den ich zu dem Buch auf Facebook gelesen habe. Dieser Kommentar lautete sinngemäß so: „Ich würde auch gern sowas schreiben, aber mir fehlen die Vorrausetzungen dazu“ Dieser Satz brachte mich zu der Frage: Welche Vorraussetzungen braucht man eigentlich zum Schreiben?

Quelle: Flickr – Maik Meid – CC

1 – Physikalische Vorrausetzungen

Wenn ihr diesem Artikel nicht gerade in ausgedruckter Form lest, habt ihr diese Vorrausetzung schon automatisch erfüllt, denn dann verfügt ihr über irgendeine Art Technologie (PC, Tablet, Handy…), die eine Tastatur hat. Also rein sachlich gesehen, habt ihr schon jetzt alle Vorraussetzungen erfüllt, um zu schreiben. Selbst wenn ihr den Artikel gerade ausgedruckt vor euch liegen habt, verfügt ihr schon mal über eine leere Rückseite. Alles was jetzt noch fehlt, ist ein Stift und schon könnt ihr eigentlich loslegen 🙂

2 – Eine Idee

Leider weiss ich aus Erfahrung: Die größte weiße Seite nützt einem rein gar nichts, wenn man keine Idee hat, worüber man eigentlich schreiben will. Aber woher nimmt man die Idee? Die einfachste Antwort: aus uns selbst. Nehmt euch einfach mal einen Zettel und schreibt die Antworten auf folgende Fragen auf: Worüber habt euch das letzte Mal geärgert? Worüber habt ihr euch das letzte Mal wirklich gefreut? Was wolltet ihr zu jemanden schon immer mal sagen? Was wolltet ihr schon immer mal machen? Wenn ihr diese vier Antworten habt, habt ihr schon vier wirklich gute Ideen worüber ihr schreiben könntet – egal ob ihr einen Essay oder einen Roman schreiben wollt. Aber seien wir mal ehrlich: Wenn man ein Handicap hat, hat man sowieso genug Stoff für 10 Bücher, stimmts?

3- Keine Angst

Das ist der Punkt, der mir am meisten am Herzen liegt, weil er mich auch selbst am stärksten am Schreiben gehindert hat. Habt bitte bitte bitte keine Angst vor dem Schreiben! Gerade wir Büchermenschen neigen ja dazu, Bücher zu glorifizieren und Autoren zu vergöttern. Aber die Wahrheit ist, berühmte Autoren sind keine Götter, sondern einfach verdammt gute Handwerker, denn Schreiben ist keine Magie, sondern ein Handwerk. Natürlich spielt Talent und so weiter auch eine Rolle, nicht jeder, der ein Schal stricken kann, ist gleichzeitig ein guter Modedesigner, aber zumindest kann jeder, den es intressiert, lernen, wie man einen Schal strickt. Allerdings unterscheidet das Schreiben sich in einem wesentlichen Punkt: Der Autor kann sich kein Rohmaterial kaufen. Wenn man einen Schal stricken will, geht man in den Laden und kauft Wolle. Als Autor muss man sich sein Rohmaterial selbst herstellen und das vergessen die meisten. Das heißt, den Text den ihr als erstes schreibt, ist nicht euer Essay oder euer Roman, sondern euer Rohtext, den ihr nachher noch bearbeitet. Aus diesem Grund muss der erste Text auch nicht perfekt sein und erst gar nicht künstlerisch hochwertig. Mir hilft es, wenn ich einfach nebenbei schreibe. Im moment schaue ich zum Beispiel nebenbei Shopping Queen und so habe ich habe ich nicht das Gefühl, dass ich irgendwas Wichtiges tue. Konzentrieren muss ich mich erst, wenn ich später Korrektur lese.

4 – einen Anfang

So jetzt haben wir eine Idee und hoffentlich keine Angst, aber wo fangen jetzt ganz korrekt an mit dem Schreiben? Normalerweise sagt man ja immer, man fängt am besten am Anfang an, das trifft meiner Meinug nicht auf das Schreiben zu, zumindest nicht auf das Fiktionale, unterhaltsame Schreiben. Die Herausforderung beim Anfang ist natürlich, dass er so sein muss, dass der Leser in dem Text hineingezogen wird. Eine sichere Methode dafür ist, die Leser einfach mitten in die Geschichte zu werfen. Stellt euch vor, ihr schaltet den Fernseher an und seht als erstes ein Paar heftigt streiten, was fragt ihr euch dann fast automatisch? Klar: Warum streiten die? Gerade dieses Warum ist wichtig, denn ein Leser oder Zuschauer, der sich irgendwas fragt, will eine Antwort haben, also liest oder schaut er weiter. Allerdings sollte irgendwann dann auch eine Auflösung gegeben werden, ungelöste Fragen sind auf die Dauer wirklich frustrierend… Bei Sachtexten eigenet sich gut ein aktueller Anlass oder eine interessante Frage, um eine Spannung zu erzeugen.

5 – Unterstützung

Es hält sich immer noch der Mythos, dass Schreiben eine einsame Sache ist. Das mag vielleicht auch auf frühere Zeiten zugetroffen haben, aber wie in fast allen anderen Bereichen hat das Internet auch das Schreiben verändert, was auch wirklich nötig ist. Wie bei anderen Dingen, die man ernsthaft betreibt, braucht man einfach die Unterstützung von anderen, sei es zur Motivation, um Fragen zu klären oder auch um einfach mal zu jammern. Am besten ist es natürlich, wenn man diese Unterstützung direkt in der Familie oder in Freundeskreis findet. Manchmal möchte man sich aber vielleicht nicht so öffnen oder den meisten nahestehenden Personen fällt es oft schwer ehrliche Kritik zu äußern, deswegen ist es auch gut, neutrale Menschen zu haben, mit denen man sich austauschen kann. Die Schreibwerkstatt ist das beste deutschsprachige Schreibforum, das ich kenne. Schriftzeit.de ist ein toller Blog übers Schreiben. Ansonsten gibt es auch in den Social-Netzwerken nette Schreibmenschen, mit denen sich jedes Gespräch lohnt. Um nur ein paar zu nennen:

Marcus Johanus

Richard Norden

Benjamin Sprang

Axel Hollmann

 

3 Kommentare zu 5 Vorraussetzungen zum Schreiben

  1. Das Wichtigste hast du vergessen: Durchhaltevermögen.

  2. Liebe Tanja, ich denke du hast den Nagel auf den Kopf getroffen 😉 Schöner Artikel 😉
    Liebe Grüße

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