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„Das sind ja alles ausländische Züge“ – oder: Rocky, die Bahn und ich.

 

„It’s the eye of the tiger!“ summt es in meinen Kopf und ja, tatsächlich fühle ich mich gerade ein bisschen wie Rocky Balboa. Der Unterschied ist, dass ich gerade keine Treppe hochlaufe, sondern gerade den Bochumer Hauptbahnhof durchquere, der wie immer von den verschiedenen Menschen bevölkert wird.
Eigentlich liebe ich Bahnhöfe. Ich mag es, die verschiedenen Leute zu beobachten, wie sie mit anderen wieder zusammentreffen, oder sich von anderen verabschieden. Manchmal überlege ich mir kleine Geschichten darüber, wo die Menschen wohl her kommen und wo sie hingehen, was sie wohl am Ende ihrer Reise erwarten wird?
Heute habe ich keinen Blick für die Menschen, die uns entgegen kommen. Eins haben Rocky und ich gemeinsam, wir haben beides ein klares Ziel und mein Ziel liegt mir direkt gegenüber: der Reiseservice der Deutschen Bahn. In meiner Tasche steckt ein Zettel mit den ganzen Zügen, die ich gerne für die Interrailreise buchen würde. Es sind genau zehn Stück und das sind nach meiner Erfahrungen mindestens neun Verbindungen zuviel für den normalen Bahnmitarbeiter.
Ich möchte am liebsten gar nicht in das allgemeine Wehklagen über die Deutsche Bahn miteinstimmen, denn ich habe schon sehr nette, engagierte Mitarbeiter erlebt. Aber ich würde lügen, wenn ich sage, dass dies oft vorkommt und leider noch seltener am diesem Bahnhof.
Dieser Weg zum Schalter gleicht also von vornherein einen Einzug in die Boxhalle. Jetzt gilt es also: einmal tief durchatmen, Bauch rein, Brust raus und dann öffnet sich die Schiebetür automatisch.

Natürlich müssen wir erstmal warten. Während wir langsam in der Schlange vorrücken, schaue ich mir die Menschen hinter dem Schalter an. Die meisten von ihnen sehen aus, als hätten sie längst vergessen, dass Menschen auch lächeln können. Nicht gerade sehr ermutigend, aber davon darf ich mich jetzt nicht abschrecken lassen.
Gut zwei Minuten später sind wir dran und steuern auf einen älteren Herrn zu, der ein bisschen aussieht wie ein Weihnachtsmann, der noch nicht ganz weiss ist. Während wir auf ihn zugehen, kann ich regelrecht hören, wie in seinem Kopf das Schild „das wird kompliziert.“ aufploppt. Aus diesem Grund setze ich mein schönstes Lächeln auf, während meine Assistentin anfängt die Situation zu erklären.
„ Wir würden gern im August eine interrailreise machen und würden jetzt gerne die Sitzplätze und die Ein- und Aussiegstiegshilfe buchen.“
„Okay, welche Zügen wollen sie denn nutzen?“
Wir reichen ihm den Zettel und ich freue mich schon fast darüber, dass er nicht sofort abblockt und dass es doch nicht so kompliziert zu sein scheint. Allerdings währt die Freude nur den kleinen Moment bis der Bahnmitarbeiter vom Zettel aufblickt.
Noch bevor er irgendwas sagt, weiß ich es: wir haben verloren.
„Das sind ja alles ausländische Züge“
„Ist ja auch eine Interrailreise.“
Er guckt zwischen uns zwischen hin und her und kommt wahrscheinlich wortlos zu den Schluss, dass meine Assistentin total durchgedreht ist. Dann schnappt er sich den Zettel und geht um die Ecke, um eine Minute später wiederzukommen und zu verkünden: „Dafür sind wir nicht zuständig!“
Genau darauf waren wir vorbereitet und lassen uns so leicht nicht abfertigen.
„Wir haben aber gehört, dass man zumindest Frankreich und Spanien von Deutschland aus buchen kann“.
Mittlerweile merkt man dem Mitarbeiter deutlich an, dass wir lästig werden. Fehlt nur, dass er anfängt mit den Augen zu rollen. Genervt verschwindet er wieder um die Ecke. Das Ergebnis dieser Flucht bleibt das das gleiche: „Wir können hier nichts machen. Sie können bei der Mobilitätszentrale anrufen, aber inwiefern, die das machen, weiss ich auch nicht.“ Als ob die suboptimistische Nachricht nicht schon genug Niederlage wäre, setzt er jetzt mit Blick auf mich zum K.o.-Schlag an und entlässt uns mit den Worten

„Das kann ziemlich gefährlich werden. Man weiss ja nicht , wie das an den Bahnhöfen so ist, an manchen gibt es ja gar kein Service. Nachher stehen Sie da und kommen nicht mehr weg.“
Da ist es, das klassische K.O.
Mit genauso vielen Informationen wie wir gekommen sind, gehen wir auch wieder.
Diese erste Runde geht eindeutig an die deutsche Bahn.
Aber wenn ich was von Rocky gelernt habe, dann ist es: Aufstehen, Blut abwischen, weiterkämpfen.

 

2 Kommentare zu „Das sind ja alles ausländische Züge“ – oder: Rocky, die Bahn und ich.

  1. Martin Ladstätter // Juli 11, 2014 um 6:44 pm // Antworten

    Kann dich gut verstehen und komme gerade von einer Reise (Wien-München-Paris-Zürich-Wien) zurück und musste die ÖBB auch erst „überzeugen“ mir alle Tickets, Reservierungen und Einstiegshilfen zu organisieren.

    War auch extrem anstrengend das zu erreichen; aber schlussendlich hat es geklappt. Du schaffst das auch! Daumen_halt!

  2. Nicht aufgeben. Bin sicher der Sieg wird Deiner sein!

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