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Ein ganzes halbes Jahr Kritik – Warum Will Traynor ein Feigling ist.

Für viele ist es DAS Buch des Jahres 2013, für mich war es die Enttäuschung des Jahres: Ein ganzes halbes Jahr von Jojo Moyes. Dewegen habe ich eine etwas andere ein ganzes halbes Jahr Kritik verfasst:

Die Geschichte ist schnell erzählt: Louisa ist eine perspektivlose Kellnerin, als sie von Will Traynors Mutter für ein halbes Jahr als dessen Assistentin angestellt wird. Will ist ein Mann Mitte 30, der durch einen Unfall vom Hals abwärts gelähmt ist und sich immer mehr in sich zurückgezogen hat und keinem mehr an sich heranlässt.
Natürlich gelingt es Lou nach Anlaufschwierigkeiten einen Draht zu Will aufzubauen, der sich als intelligenter, zynisch-charmanter Typ entpuppt.
Es kommt, wie es kommen muss: Die beiden verlieben sich. Währenddessen findet Lou heraus, dass Will ein Pakt mit seiner Mutter geschlossen hat, wonach er nach diesem halben Jahr Selbstmord begehen will. Lou versucht alles, um ihm von diesem Plan abzubringen, scheitert aber letztendlich. Am Ende begleitet sie Will ins Selbstmordzentrum in die Schweiz, wo er sich das Leben nimmt.

Die Geschichte an sich ist flüssig und unterhaltsam geschrieben. Ich hatte mich wirklich darauf gefreut, dass Buch zu lesen. Ich beklage schon seit Jahren, dass es viel zu wenige Romane mit behinderten Hauptprotagonisten gibt und ich dachte : endlich, endlich, endlich!

Mich hat auch wenig gestört, dass diese Assistenzbeziehung der beiden natürlich ziemlich arg an den Film „ziemlich beste Freunde“ erinnert, aber warum sollte sich aus einer solchem Verhältnis nicht auch eine Liebesbeziehung entwickeln können.
Meine Euphorie gegenüber dem Buch erhielt schon am Anfang einen ersten Dämpfer. Will war für mich das Abbild eines Menschen mit Behinderung wie sich die Leute das so vorstellen: deprimiert, voll von Selbstmitleid, weltfeindlich.

Aber gut, so ein Unfall ist ja auch nicht die schönste Sache der Welt. Insofern ist diese Haltung nachvollziehbar, auch wenn ich mir wirklich, wirklich, wirklich einmal literarische Menschen mit Behinderungen wünsche, die eine durchaus positive Haltung zum Leben haben. Aber wie gesagt, ich konnte Wills Haltung bis zu einen gewissen Punkt sogar verstehen.

Richtig sauer wurde ich, als im letzten Drittel immer mehr das Thema Selbstmord immer mehr in den Mittelpunkt gerückt wurde. In vielen anderen Rezensionen wurde geschrieben, dass die Freiheit des Selbstmordes ein Thema des Buches ist, dieser These würde ich mich anschließen, aber das ist nicht der Punkt auf dem ich hinaus will.
Ich bezeichne Will Traynor nicht als Feigling, weil er sich umbringen will. Ich halte es durchaus für nachvollziehbar und realistisch, dass Menschen mit Behinderungen diese Möglichkeit in Betracht ziehen.

Es ist dieser Satz, die ihn für mich zu einen der größten Feiglinge der neueren Literaturgeschichte macht:

„Louisa, nichts hätte mich jemals umstimmen können.“

Das heißt also, während des ganzen Buches hat er nicht einmal im Betracht bezogen, dass es eine andere Lösung geben könnte als sich um zu bringen. Das ist der Hauptpunkt, den ich dem Buch vorwerfe: es wird die ganze Zeit vermittelt, das Will eigentlich  gar keine andere Wahl hat, als sich umzubringen, dass das die einzige logische Lösung ist. Es macht mich unglaublich sauer, wenn ich mir vorstelle, dass sich diese Ansicht auch nur in einem Kopf eines Lesers festgesetzt hat.

Natürlich ist das Leben im Rollstuhl anders als vorher, es ist schwieriger,  ohne Zweifel. Man muss immer wieder gegen materielle und geistige Hindernisse kämpfen. Man muss einiges in Kauf nehmen. Gerade wenn sich die Behinderung weiter verschlimmert.

Trotzdem es ist auch ein Leben, das sich lohnt zumindest einmal auszuprobieren. Natürlich ist es eine Lösung sich umzubringen und ich finde diese Lösung sollte auch jeden offen stehen, aber eben erst nachdem man das Leben getestet hat.

Wenn es in dem Buch eine Stelle gegeben hätte, bei der ich glaubhaft  das Gefühl gehabt hätte, Will hätte versucht, das Beste draus zu machen und wäre dann letztendlich gescheitert, hätte ich dieses Buch als Geschenktipp des Jahres freigegeben.

So ist es für mich nur ein ziemlich klischeehafter Roman über ein Feigling, der den leichtesten Weg gegangen ist.

Da wäre mehr drin gewesen, sehr schade!

 

 

23 Kommentare zu Ein ganzes halbes Jahr Kritik – Warum Will Traynor ein Feigling ist.

  1. Liebe Tanja, ich habe zwar das Buch nicht gelesen – aber ich glaube ich verstehe was Du meinst – danke für die bildhafte Rezension die sehr hilfreich ist. Ich habe gerade die Autorin gegooglet – sie ist nicht behindert und hat sich der Thematik also „von außen“ angenommen. Vielleicht kann sie sie sich wirklich nicht vorstellen dass ein Mensch mit schwerer Behinderung sein Leben lebenswert, bunt und reich findet! So wie sich Weiße Herren in Schwarzafrika nicht vorstellen konnten dass Schwarze die gleiche Intelligenz besitzen wie sie selbst. Tja es gibt viel zu tun. Vorurteile sind hartnäckig und nur mit äußerster Akribie und Beharrlichkeit langsam aufzulösen. Schreib doch auch eine Rezension bei Amazon, damit überhaupt mal ein bisschen Bewusstheit zum Buch kommt und die kritiklose Begeisterung ein Gegengewicht erhält.

  2. Hallo Tanja!

    Ich wurde von jemandem um meine Meinung zu deiner Kritik gebeten und finde, man kann das Thema von verschiedenen Standpunkten und aus verschiedenen Gründen betrachten. Was ich allerdings schade finde ist, dass du ja den gesamten Inhalt des Buches schon verrätst und an keiner Stelle im Vorfeld darauf hinweist, dass einige Spoiler in deiner Kritik enthalten sind. Es gibt auch die Möglichkeit (so halte ich es immer) zum Beispiel ein Plugin zu installieren, welches dann erst nach dem Anklicken die Details des Buches anzeigt – damit jemand, der das Buch nicht kennt, sie nicht aus Versehen vorher liest. Einfach nur als Denkanstoß 🙂

    Liebe Grüße
    Katrin

    • Hallo Katrin,
      danke für den Hinweis. 🙂
      wie du siehst, habe ich ihn gleich umsetzt..wenn es auch in diesem Fall etwas anders ist, weil ich leider sehr viel verraten muss, um meine These zu belegen. Was ich sehr spannend finde ist, dass jemand deine Meinung zu meiner Meinung haben will 🙂

      liebe Grüße Tanja

  3. Hey Tanja!

    Das finde ich ja super, dass du das machst. Ich kann natürlich verstehen, warum das alles in deiner Kritik stehen muss, ich denke nur jeder sollte gut überlegen ob er es vor der Lektüre schon wissen möchte und nicht nicht einfach zufällig lesen 🙂

    Deine Meinung zum Buch fand ich nach dem Lesen deines Profils natürlich gleich doppelt spannend. Trotzdem kann ich Wills Entscheidung nachvollziehen – wenn auch nicht gutheißen.

    Viele Grüße!
    Katrin

  4. Hallo Tanja,

    Deine Rezension zu dem Buch fand ich sehr spannend. Ich habe selbst auch einen kleinen Text verfasst, in dem ich meine Meinung zu dem Buch schreibe.

    Ich habe das Buch ehrlich gesagt verschlungen, weil ich es sehr schön fand. Natürlich ist meine Sicht der Dinge ganz anders, da ich glücklicherweise gesund durch dieses Leben gehen kann. Ich fand gut, dass in dem Buch – als Gegenpol zu Will – auch die andere Seite aufgezeigt wurde, nämlich durch den Kontakt von Lou zu anderen Tetraplegikern.

    Als Mutter finde ich die Entscheidung von Will furchtbar. Wenn ich mich selbst in seine Lage zu versetzen versuche – was ich natürlich nur versuchen kann – dann weiß ich allerdings nicht, wie ich mich entscheiden würde. Ich habe selbst über viele Jahre die psychische Erkrankung eines Menschen verfolgt, die aus einem ehemals gesunden Familienvater jemanden gemacht hat, der kaum für sich selbst sorgen kann. Dass ein solcher Mensch an seinem Schicksal verzweifelt ist daher auch für mich irgendwie nachvollziehbar.

    Liebe Grüße
    Sabine

  5. Hallo Tanja,

    zunächst einmal möchte ich mich für deine tolle Rezension bedanken. Ich habe das Buch gestern zu Ende gelesen und bin dadurch sehr aufgewühlt, da ich das Ende, um ehrlich zu sein, furchtbar finde.
    Ich habe einen Beruf, in dem ich viel mit behinderten Menschen zu tun habe und sehe viele Personen, die Ähnlichkeit mit Will haben, aber auch viele, die ihr Leben dennoch genießen. Was sie aber alle von Will unterscheidet ist, dass sie trotz ihrer Lage versuchen, das Beste aus ihrem Leben zu machen.

    Genau wie du kreide ich dem Buch bzw. der Autorin an, dass Will nur stur auf seiner Selbstmord-Schiene fährt, obwohl er viele wundervolle Momente mit Lou erlebt und obwohl er sein Herz für sie geöffnet hat. Die Liebesgeschichte fand ich persönlich sehr berührend und ich hätte mir sehr gewünscht, dass er sich im letzten Moment doch noch umstimmen lässt und zumindest versucht, ein glückliches Leben mit Lou zu leben, auch wenn es anders wäre als sein frühreres vor dem Unfall.

    Eigentlich finde ich es immer toll, die letzten Seiten eines Buches zu lesen, es dann zuzuklappen und noch einige Minuten mit einem zufriedenen, wohligen Gefühl darüber nachzudenken. Dieses Buch jedoch lässt mich sehr traurig und melancholisch zurück, auch wenn Wills Entscheidung zum Teil nachvollziehbar ist. Dass er es aber nicht einmal ernsthaft versucht und ihn auch die starke Liebe von Lou scheinbar völlig unbeeindruckt lässt, finde ich mehr als traurig.

    So, nun habe ich mir den Frust von der Seele geredet 😀 Nochmals vielen Dank für deine tolle Rezension, die eigentlich auch das ausdrückt, was ich über das Buch denke.

    Viele Grüße

    Tatjana

    • Was für eine tolle Rezension ist das denn mit einer solch grauenhaften Grammatik?

      • Wenn nur Menschen mit perfekten Kenntnissen der Sprache ihre Meinung veröffentlichen dürften, wäre die Welt um einiges ärmer. Ja, es sind ein paar Rechtschreib- und Grammatikfehler vorhanden (unter „grauenhaft“ verstehe ich persönlich etwas Anderes), aber hier wird kein Schulaufsatz benotet, sondern eine Meinungsäußerung anhand der eigenen Wahrnehmung reflektiert. Ich weiß, dass dieser Thread schon älter ist, aber bei diesem Kommentar musste ich einfacch reagieren. Dies ist ein Blog, den man besuchen kann, aber nicht muss. Auf keinen Fall gehört es sich aber, die Rechtschreibung der Gastgeberin zu kritisieren, ohne auf den Inhalt einzugehen.

  6. Hallo Tanja,

    ich habe das Buch gestern abend zu Ende gelesen und musste noch einige Zeit über deren Intention nachdenken.

    Ähnlich wie dich, ärgert mich die Aussage des Buches, dass ein Leben im Rollstuhl angeblich nicht lebenswert sei.
    Das kommt mir doch sehr überheblich vor.

    Auch wenn so ein Leben vielleicht nicht an erster Stelle aller Wunschmöglichkeiten steht, so denke ich doch, dass auch in so einer Situation ein erfülltes Leben möglich ist. (Insbesondere wenn man finanzielle Möglichkeiten hat PLUS eine Partnerin.)

    Es kommt mir so vor, als wolle die Autorin vermitteln, dass ein Leben als Tetraplegiker soooo schlimm ist, dass man sich einfach umbringen MUSS.

    Eigentlich wäre dann doch die logische Konsequenz, dass behindert geborene Kinder gar nicht erst aufgezogen würden.

    Weiterhin kann ich gar nicht glauben, dass Rollstuhlfahrer ständig komisch beäugt und behandelt werden. Ist das tatsächlich so?

    Ich habe gezielt im Internet nach Personen gesucht, die in einer ähnlichen Situation sind wie Will und das Buch gelesen und beurteilt haben.

    Vielen Dank für deinen Kommentar also. Der genau so ausfiel, wie ich es mir gedacht habe.
    Mia

  7. Hallo Tanja,

    ich habe das Buch nicht gelesen, aber einige Rezensionen dazu und war neugierig auf das Ende und bin dann auf Deine Rezension gestoßen. Ich finde auch, dass dieses Ende nicht die Kraft von den Menschen zeigt, sich immer wieder neu zu erfinden, auch nach einem solchen Unfall. Menschen sind ja tatsächlich in der Lage, sich mit einer neuen Situation zu arrangieren und eine neue Perspektive auf das Leben zu gewinnen. Diese Kraft zu zeigen, auch mit den Rückschlägen, die kommen, wäre für mich näher dran am wirklichen Leben und hätte mich mehr gefesselt. Ohne dass ich etwas von Dir weiß scheinst Du mir auch ein Beispiel für diese erstaunliche Fähigkeit von Menschen zu sein, sich auf ein verändertes bzw. anderes Leben einzulassen.

    Viele Gruesse, Dirk

  8. Achtung: für die, die das Buch noch nicht gelesen haben: dieser Kommentar enthält eine Meinung über das Ende!

    Hallo Tanja!
    Danke für Deine Rezension und Meinung über diese Geschichte! Es ist ja schwer genug, eine veröffentlichte Meinung zu finden, da schließlich in den Rezensionen verständlicherweise das Ende der Geschichte nicht verraten wird.
    Ich habe das Buch gestern zu Ende gelesen (übrigens das erste Buch, dass ich auf englisch gelesen habe ‚me before you‘). Ich muss sagen, ich habe die Geschichte sehr gerne gelesen und habe so mitgefiebert und gehofft. Ich finde die Perspektivwechsel, die Kapitel, die aus Sicht der anderen Personen geschrieben sind, auch sehr gut. Hätte mir auch so ein Kapitel von Will gewünscht.
    Aber ich muss sagen, ich bin mit dem Ende nicht wirklich einverstanden. die Figur Will hinterlässt auch bei mir ein Gefühl nicht richtig ausgefüllt zu sein. Er ist zu sehr beschränkt auf seine Defizite.
    Für mich ist es auch nicht nachvollziehbar, dass er nur in seiner Bude brütet. Ich denke, es wäre auch durchaus möglich gewesen, weiterhin zu arbeiten – Telefon? Internet? Videokonferenz? War für seinen vorherigen Job Gehfähigkeit wirklich zwingend erforderlich?
    (Stephen Hawkin leistet großartige Arbeit, oder?)
    ich finde die Entwicklung, die Louisa nimmt, schön dargestellt. Bedauerlich finde ich, dass Will sich nicht weiter entwickelt, dem Leben keine Chance gibt. „This is not the life I planned“ – in wessen Leben läuft schon alles wie geplant?! Es tut mir leid, für mein Empfinden reicht seine „Einschränkung“ nicht für einen „unterstützten Suizid“ und ich bin mir nicht sicher, ob Dignitas sich tatsächlich seines Falles angenommen hätte.
    Ich habe gestern so lange darüber rumgemuckert, bis mein Mann gesagt hat: „Schatz, dies ist ein Buch! Der Autor hat sich für dieses Ende entschieden! Würdest du einen Roman schreiben, könntest du ihn ja anders enden lassen!“
    Ja, es ist ein Buch, eine Geschichte. Vielleicht wäre das Ende zu kitschig gewesen, wären sie ein Paar geworden? Aber andererseits, was wäre so abwegig daran? Vielleicht hätte man die Geschichte auch etwas offener enden lassen können?
    Vielleicht macht es ein gutes Buch aber auch aus, dass man am Ende nicht komplett einverstanden ist. Immerhin – ich beschäftige mich immernoch damit und habe es nicht zu geklappt, weg gelegt und vergessen.

  9. Vielen Dank für die Rezession. Ich habe „ein ganzes halbes Jahr“ als Hörbuch gehört.
    Toll gelesen. Ich musste die ganze Zeit hören, beim putzen, in der Bahn…es hat mich ergriffen, mitgenommen und mich zum Schluß nur noch wütend gemacht.
    Da ich keine Behinderung habe, habe ich mich gefragt, ob es mir zusteht Will als Feigling zu sehen.
    Es beruhigt mich zu lesen, was Du geschrieben hast.
    Dieses krampfhafte Festhalten an dem gesetzten Termin für Dignitas, was soll das? Wo erfocht so viele Fortschritte erzielt hat.
    Rund wäre es für mich geworden, wenn Will versucht hätte wieder zu arbeiten, ein Leben mit Lou zu führen und dann vielleicht doch zu merken es geht nicht für ihn, weil die Schmerzen zu schlimm und die Rückschläge zu groß.
    So mag ich es nicht.

  10. Danke für deinen Blick auf das Buch und seine Kernaussage!

    Auch ich konnte das Buch nicht ohne einen kritischen Blick lesen. Früher hätte ich wahrscheinlich einfach nur bei der Lovestory mitgefiebert und mich sicherlich auch über das Ende „geärgert“.
    Aber als ich es vor einigen Monaten gelesen habe, habe ich ständig gedacht: Nein. Warum schreibt/formuliert sie das so. Bei vielen Formulierungen und Dialogen hab ich echt die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen. Okay, Lou hat in diesen Dialogen die anderen Personen teilweise auch etwas vorgeführt – wenn man genau gelesen hat.
    Dass Will so furchtbar passiv und frustriert dargestellt wird, hat mich irgendwann echt nur noch genervt! Gerade als das mit Lou richtig anfing, und er ja auch durchaus wieder schöne Seiten an seinem Leben hätte erkennen können (wenn er denn gewollt hätte).

    Die Liste, die Lou angelegt hat, was alles nicht geht und was man nicht unternehmen kann mit einer Behinderung, hat auf der einen Seite zwar unsere nicht inklusive und nicht barrierefreie Gesellschaft entlarvt. Auf der anderen Seite fand ich aber selbst diese Liste insgesamt ZU NEGATIV. Okay, viele Dinge davon funktionieren vielleicht nicht spontan, aber sie funktionieren!

    Ähnlich wie dir, fehlte mir einfach die Perspektive: Hey, es geht auch mit einer Behinderung weiter! Es mag schwierig sein und immer wieder Rückschläge geben, aber es geht.

    So, das war mein Senf dazu! 😀

  11. Hallo Meta,

    ich denke den Standpunkt von Will kann man nur nachvollziehen, wenn man selber auch so wie er ein Extremportler war, und männlichen Geschlechtes ist, da hat der Sex einen etwas höheren Stellenwert. Ich kann seinen Standpunkt als Sportlehrerin voll nachvollziehen, bestätige die schiefen Blicke auf Behinderte zumindest für Deutschland. Sorry, ein Feigling ist er wirklich nicht, er hat nur ganz andere Vorstellungen von einem ausgefülltem Leben als du! Die sollte man zumindest respektieren können, oder?

  12. Will Traynor und ein Feigling? Ernsthaft? Will hat eine Entscheidung getroffen, die gar nicht einfach ist. Sein Leben ist eingeschränkt, er leidet und ist unglücklich. Louisa zeigt ihm Aspekte, dass sein Leben trotzdem lebenswert sein kann, gewiss. Aber warum sollte jemand leiden müssen? Warum sollte er ein unglückliches Leben führen? Warum? Warum, wenn es einen Weg gäbe, ihn zu erlösen? Jeder Mensch kommt anders klar mit Behinderungen, Krankheiten etc. klar. Und ich habe großen Respekt vor diesen Menschen. Aber auch vor Wills Entscheidung! Er hat sich auf Louisas Ideen eingelassen, er hat sie gelassen, ihn zu überzeugen. Und das konnte sie nicht. Er hat eine Entscheidung gefällt und das ist recht so! Ganz egal, ob er sagt, dass all dies seine Entscheidung nicht geändert hätte! Ich finde Will mutig. Solch eine Entscheidung zu treffen ist mutig! Wem fällt es leicht sein Leben aufzugeben? Schon gar niemandem, der feige wäre. Und erst recht mutig, weil es solche Leute gibt, die wie du denken. Es ist die Entscheidung von der Person, einzig und allein von der Person. Wir können es gut oder schlecht finden (wobei es niemand schlecht finden sollte!), aber es als feige zu betiteln? Das vergeht es mir! Kein Verständnis in dieser Welt. Traurig. Echt traurig.

    Ich kann deine Rezensionen in diesem Teil echt nicht nachvollziehen. Ich kann darüber nur den Kopf schütteln.

  13. das ist irgendwie typisch… alle warten auf das happy end, geschichten sollen doch immer eins haben oder???… aber das leben ist nun mal keine geschichte und das soll vielleicht dieses buch beweisen…
    früher hätte ich auch gesagt was für ein feigling, das letzte jahr hat mich dazu bewegt über vieles anders zu denken, weil das leben nun mal kein ponyhof ist… und ja es ist toll das sich dort eine liebe hätte entwickeln können… aber jetzt versetz sich mal in die lage das du sich nur noch in deinem kopf etwas bewegt… du wirst geliebt und liebst, du platz vor liebe und kannst die nicht ausleben es gibt keine schlimmere höllenqual… ich zumindest kann all die leute verstehen die der meinung sind das ein unautonomes leben nicht sonderlich lebenswert ist… es gibt nicht schlimmeres als nur noch im kopf zu leben und zugucken zu müßen… und eigentlich ist es sehr liebenswert das er sich für sie ein tolles leben wünscht und das ist nun mal nicht mit ihm möglich…

  14. Hallo,
    Ich habe das Buch gestern gekauft und sofort durch gelesen.
    Der Trailer zu der Buchverfilmung hat mich so neugierig gemacht,
    das ich nicht bis Juni warten konnte, sondern mir das Buch schnellst
    möglichst gekauft habe.
    Ähnlich wie Tanja es schon angesprochen hat, finde ich den Schreibstil
    flüssig und unterhaltsam.

    Zu den Figuren
    Will ist nicht einer von diesen blühenden Optimisten, die sich das Leben schön reden. Die wenigsten würden in dieser Situation versuchen das Beste
    zu machen. Man müsste schon in seinem Leben vor dem Unfall ein brennender
    Optimist gewesen sein, um das einigermaßen weg stecken zu können.
    Aber sehen wir es realistisch, die meisten jungen, aktiven Männer fühlen
    sich wie ein Mensch dritter Klasse, wenn ihnen so etwas passiert. Sie kommen
    sich bedeutungslos, unnütz und vor allem ein Krüppel vor. Ich kann deswegen
    nachvollziehen warum er seinem Dasein ein Ende machen will. Besonders wenn man bedenkt, das er an einigen Tagen fürchterliche Schmerzen aushalten muss.

    Louisa dagegen eine kleine „In den Tag Leberin“, die ihr Leben verstreichen lässt und erst durch Will einen neuen Anstoß im Leben findet.

    Aber ähnlich wie Tanja es schon geschrieben hat, macht mich der Satz unheimlich traurig, das er nie in Betracht gezogen hat, länger als diese 6 Monate durchzustehen. Auch nicht als Louisa in sein Leben trat.

    Ich finde es gemein, wie er auf ihren Gefühlen herum trampelt. Niemand hat es verdient, an den Kopf geknallt zu bekommen „Ich weiß das du mich liebst, aber es reicht einfach nicht. Sei nicht traurig, du findest bestimmt jemand anderes und komme bitte mit und steh mir bei, wenn ich mich umbringe.“
    Er hat sie vor ein Gefühlsultimativium gestellt. Das lässt mich an seinen Gefühlen für sie zweifeln. Jemand den man wirklich liebt, tut man nicht so weh. Das lässt darauf schließen, das Louisa mehr für ihn empfindet, als er für sie. Und diese Tatsache, das Will anscheinend nicht genug Liebe für Louisa empfindet um weiter zu machen und Louisa gleichzeitig dazu bringt aus Liebe ihm beim Sterben zu zusehen,finde ich grausam.

    Ich würde also zusammenfassend Will weniger als Feigling, als mehr als einen Menschen sehen, für den Liebe zwar zum Leben dazu gehört, aber nicht in der Lage ist, den Schmerz über den Verlust seines alten Lebens zu füllen.
    Das finde ich trauriger als wenn er ein Feigling oder Egoist wäre.

  15. Hallo Tanja,

    Ich hab mir nicht alle Kommentare durchgelesen, entschuldige wenn ich mich wiederhole.

    Ich denke, du hast weder Will noch seine Intention oder seine Depression verstanden. Es geht ihm nicht um das Leben im Rollstuhl und wie er zu Lou sagt, weiss er auch, dass man, dass er ein gutes Leben führen könnte, mit ihr an seiner Seite. Nur ist das nicht das, was Will leben möchte. Er will Sport machen, selbstständig sein und alles tun, was er will. Egal wie sehr er Lou liebt oder Lou ihn — das wird niemals mehr möglich sein und genau daran zerbricht er.
    Seine Entscheidung hat per se nichts mit dem Rollstuhl zu tun sondern was er nicht mehr machen kann.
    Bei vielen Menschen mit Depression ist es ausserdem so dass ein Moment so schön sein kann wie er will – ist dieser vorbei und sie wieder alleine, ist alles wieder scheisse.

    Ich kann Will verstehen, denn manche Menschen können sich nicht von etwas lösen und sterben lieber als ohne es zu leben.

  16. Liebe Tanja,

    vielleicht liegt es daran, dass ich jünger bin als die anderen, die hier Kommentare dazu schreiben, aber auch wenn die Kritik von deinem Standpunkt aus gut formuliert ist, kann ich dich nicht ganz nachvollziehen. Ich habe das Buch vor Monaten gelesen, mehrmals. Und letztens auch den Film gesehen. Aber wie ich finde, ist er kein Feigling, sondern einfach nur ein Realist. Natürlich kann eine Beziehung ein Leben wie seines wieder lebenswerter machen, aber da er selbst sagte, dass er sein Leben wirklich geliebt hat, kann ich mir nur schwer vorstellen wie er nur ansatzweise wieder so leben kann wie vorher. Besonders, wenn man so aktiv war. Manche kommen damit halt einfach besser klar als andere und ich finde es persönlich alles andere als egoistisch, in der letzten Zeit seines Lebens mit Louisa so viele Dinge zu unternehmen. Und das nicht für sich, nein, sondern weil das die beste Möglichkeit für ihn war ihr die Welt zu zeigen und noch „Besonderes“ im Leben zu machen.
    Natürlich ist es meine Sicht auf das Buch, aber ich finde das spiegelt sich in einigen Punkten gut wieder.

    Lg

  17. wie wäre eurer Meinung nach der beste Schluss gewesen?nach wie vor war es eines der besten Bücher die ich gelesen habe

  18. Hallo Tanja

    Meine Meinung zu dem Buch und zu Deiner Rezession.
    Ich kann deinen Ärger verstehen und empfinde ihn ebenso, der Grund ist ich bin quasi Louisa im echten Leben. Mein Freund ist querschnittsgelähmt und ich habe ihn erst nach seinem Unfall kennengelernt. Ja es ist nicht immer einfach und vieles was in dem Buch steht kann ich so bestätigen , aber ist das Leben deswegen nicht lebenswert ? Ja die Leute gucken und tuscheln und wenn wir uns küssen noch mehr, aber man gewöhnt sich dran.
    Natürlich ist das Leben nicht einfach und in Zeiten wo er viel krank ist , ist es beängstigend und kostet viel Kraft .
    Es ist auch so das Will Geld hat von der Menge ich im Leben nicht träumen wage , wenn wir etwas unternehmen wollen dann müssen wir genau abwägen was wirklich wichtiger ist , denn das Taxi kostet ziemlich viel, ein eigenes Auto da träumen wir von und die öffentlichen Verkehrsmittel sind leider nicht groß genug für die Größe des Rollstuhls , eine Reise in dem Rahmen würde niemals bezahlbar sein. Alles in allem würde ich sagen hat er alle Möglichkeiten sich trotz seiner Situation, die gewiss nicht leicht ist ein schönes Leben zu führen.
    Wenn ich ein solches Buch schreiben würde, so wie es realistisch hier aus sieht , dann würden ständige Personal Wechsel die anstrengend und aufreibend sind und viel Zeit die man auf Grund der finanziellen Möglichkeiten nur zu Hause verbringt. Wenn man sich entscheiden muss zwischen Schulveranstaltung der Kinder oder einem Ausflug den man gerne mit Ihnen machen möchte um einmal etwas anderes als nur die eigenen vier Wände zu sehen, dann kann man mitunter wirklich Depressionen bekommen. Viele Ausflüge muss ich aus diesem Grund mit den Kindern alleine machen, natürlich haben wir unseren Spaß dabei, aber einbischen Wehmut ist immer dabei, das sind die Momente an denen ich mir etwas mehr Geld wünsche damit er auch erleben kann wieviel Spaß die Kinder haben , das ändert nichts an der Situation aber es hätte ein wenig mehr Normalität und zusammen sein.
    Trotz dieser Widerstände haben wir viel Spaß gemeinsam und genießen die Zeit miteinander, wir sind dankbar für das was wir haben anstatt darüber zu klagen was sein könnte wenn ..,
    Ich bin der Meinung man sollte dem Leben eine Chance geben, wessen leben läuft schon so wie geplant und wer ist er das er darüber bestimmt was er einem anderen zumuten kann ?
    Liebe Grüße und trotzdem viel Freude beim lesen des Buches, ich hätte mir ein anderes Ende gewünscht

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  1. Ein Twitterrückblick 2014 - Wie ich zum Rollifräulein wurde. - Bibliophiles Rollstuhlfräulein

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