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Digitales Lesen – Barrierefreiheit in der Bücherwelt

Gestern bin ich bei Twitter auf einem Tweet gestoßen, dessen Schreiberin festgehalten hat, dass sie sich nicht mehr darüber rechtfertigen will, dass sie gerne Ebooks liest.  Nach kurzem Stocken ist mir  bewusst geworden, dass sie recht hat. Ich selbst bin schon oft über Umfragen von verschiedenen Verlagen gestolpert, die wissen wollten, was man bevorzugt: Buch ODER Ebook. Außerdem sind mir immer wieder Leute in meinem bekannten Kreis begegnet, die gesagt haben, sie hätten gerne ein Ebook, aber sie würden sich dann irgendwie wie ein Verräter fühlen. Mehrfach ist mir auf schon die Formulierung „Echtes Buch“ in Abgrenzung zum Ebook aufgefallen. Ganz abgesehen von den Endzeitbeschwörern, die das Ende der Papierbücher prophezeien. Bei soviel Gegenwind stellt man sich irgendwann automatisch die Frage: Stehe ich auf der bösen Seite Macht, wenn ich Ebooks lese? Aber im Grunde tue ich den Ebooks damit verdammt Unrecht, denn in Wahrheit bieten sie viele Möglichkeiten, um mich beim Lesen zu unterstützen.  

Quelle: Flickr – melenita2012 – cc by

Es gibt wenig Dinge, die mich so beruhigen und entspannen wie ein stundenlanger Bummel durch eine Buchhandlung oder eine Bibliothek. Ich liebe die Atmosphäre mit all den Büchern um mich herum.  Ich mag es Bücher in die Hand zu nehmen, drin zu blättern, sie wieder wegzulegen, ein neues zu nehmen… Trotzdem habe ich fast alle Bücher dieses Jahr digital gelesen, nicht weil es cool oder hipp ist, oder ich nicht an den lokalen Buchhandel denke, sondern weil es schlicht einfacher für mich ist.

Lesefreiheit

Wenn ich ein Buch aus dem Regal nehme, muss ich es halten. Bei einen Taschenbuch mit 200 Seiten kein großes Problem, bei einen 700 seitigen Hardcover schon eher und richtig unangenehm wird es bei Büchern die ein größeres Format als A4 haben, denn dann komme ich mit meiner Bewegungseinschränkung schon an meine Grenzen.  Beim digitalen Lesen ist es total egal wie viele Seiten so ein Ebook hat, der Reader bleibt ja immer gleich vom Format und vom Gewicht.
Ich habe nicht genau mitgezählt, aber ich kann sagen, dass mir schon hunderte Lesezeichen runter gefallen sind, bei den Versuch sie entweder ins Buch zu stecken oder raus zu nehmen,  unzählige Male sind mir Seiten zugefallen oder ganze Bücher runtergefallen, weil ich eine ungeschickte Bewegung beim Umblättern gemacht habe. Klar, alles nur Kleinigkeiten, die aber ungeheuer frustriert sind und mit dem Ebook in den meisten Fällen vermeidbar sind. Natürlich kann auch ein Ebookreader runterfallen, aber es hat nicht so viele Gelegenheiten dazu 😉 .
Noch dazu bietet ein Ebookreader mir die Möglichkeit meine persönliche Lesart auszuleben. Ich war schon immer ein „Buchzapper“, ich lese immer drei bis vier Bücher parallel und springe nach Lust und Laune hin und her. Ohne Ebookreader war das immer mit Planung verbunden. „Habe ich alle Bücher abends im Bett?“ „Wo ist eigentlich das Buch, das ich gestern gelesen habe?“ „Das Buch, auf das ich gerade Lust habe, steht ganz oben im Regal, verdammt!“ Natürlich  kann ich meistens jemanden rufen, der mir dieses oder jenes Buch holt, aber die wirkliche Freiheit beginnt erst da, wo das gar nicht mehr nötig ist.
Abgesehen von diesen motorischen und logistischen Lösungen, bietet ein Ebookreader auch für Menschen mit Einschränkungen beim Sehen eine Menge Möglichkeiten. Bei fast allen Geräten lässt sich die Schriftgröße und der Kontrast auf Knopfdruck ändern und wer einmal das begrenzte Großdrucksortiment in der Buchhandlung gesehen hat, ahnt, was das für eine Freiheit sein muss…

Endlich Tageszeitungen!

Beim Ebook fängt die Barrierefreiheit des digitalen Lesen erst an. Ein weiteres großes Feld sind digitale Tageszeitungen. Ich habe mir meine aktuellen Informationen immer im Internet zusammengesucht. Tageszeitungen waren nie ein Thema für mich, weil sie für mich ohne Unterstützung nicht handelbar waren. Auf „betreutes Zeitungslesen“ hatte ich einfach keine Lust. Seitdem die meisten großen Zeitungen aber Apps und digitale Ausgaben anbieten, schaue ich gerne mal in den digitalen Zeitungskiosk und gebe auch für die eine oder andere Ausgabe gerne mein Geld aus, weil ich gut recherchierte und geschriebene Artikel schätze.

Dieser Artikel soll niemanden dazu überreden, nur noch digital zu lesen. Natürlich ist es etwas anderes ein gedrucktes Buch oder eine gedruckte Zeitung in der Hand zu halten als ein Reader oder ein Tablet. Aber ich möchte gerne dazu betragen, dass irgendwann weder das eine, noch das andere als besser oder schlechter gewertet wird. Digitales Lesen ist kein Schreckgespenst, es ist einfach eine andere Art Dinge zu konsumieren, aber in jeder Andersartigkeit liegen auch Chancen – gerade bei der Barrierefreiheit…

Welche Erfahrungen habt ihr schon beim digitalen Lesen gemacht?

5 Kommentare zu Digitales Lesen – Barrierefreiheit in der Bücherwelt

  1. Gerade für blinde Nutzer bieten die eBook-Apps auf dem iPhone die Möglichkeit endlich aktuelle Buchtitel zu konsumieren oder auch die Tageszeitungen zu aboniieren. Ja, auch blindeNutzer würden lieber ein gedrucktes Buch konsumieren, jedoch sind damit immer lange Wartezeiten verbunden. Im Schnitt erscheinen aktuelle Titel in den Blindenbücherein ca. 1 jahr später. Dieser Umstand zwingt uns fast zum eBook.

  2. Ich frage mich ob es nicht etwas größere eBook-Reader geben sollte, dami bei größerer Schrift mehr zu sehen ist? – groß wie ein iPad? Und vielleicht zum Aufklappen mit zwei Seiten (Monitoren) links und rechts (als ansteckbare Alternative). Was mich bei meinem Kindle stört ist, dass so wenig Text drauf passt. Oder gibt es bessere Reader?

  3. Hallo,
    ich bin über einen Tweet von Cinderella GLücklich auf deine Seite aufmerksam geworden. Auch ich habe meine ersten eBooks über das iPhone konsumiert, allerdings stört es mich das dass iPhone bzw. die iBook-App „nur“ Bücher aus dem Applesorte öffnen kann. Andere Bücher aus einer Online Bücherei z. B. sind nur über Umwege zu lesen da man erst den DRM-Schutz umgehen muss.

    Viele alternative Apps (ausgenommen Kindle) sind nicht tauglich da diese Apps mit Voiceover (der Sprachausgabe von Apple nicht kompatibel sind. Bei den eigenständigen eBook-Readern sind wir noch in der Steinzeit. Ich habe das Pocketbook 622 dort gibt es die Möglichkeit sich das Buch mittels Text-to-Speech vorlesen zu lassen doch leider ist der Rest der Bdienelemente und des Menüs ohne Sprachsteuerung und somit ohne weitere HIlfsmittel nicht bedienbar.

    Alles in allem zusammen gefasst: Bleibt der Spaß am Lesen auch für Menschen mit Einschränkungen, aber ich finde man müsste noch etwas weiter entwickeln.

  4. Die rechtliche Seite wird leider völlig ausgeblendet. Faktisch bedeutet ein Ebook eine deutliche Verschlechterung gegenüber einem Buch. Durch DRM ist es nicht möglich, Ebooks zu verkaufen oder zu verleihen oder zu verschenken. Auch behalten sich Anbieter wie Amazon vor, nachträglich vom Nutzer erworbene Ebooks zu löschen oder dem Nutzer den Zugang zu seinen gesamten Ebooks entschädigungslos zu verweigern, wenn angelich irgendwelche Vertragsbedingungen vom Nutzer verletzt wurden.
    Ich kann dem nichts Gutes abgewinnen.

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