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Barrierefreiheit beim Zahnarzt

ein Beziehungsdrama.

Ich kann nicht behaupten, dass ich eine besonders enge Bindung zu Ärzten habe. Auch in diesem Punkt zerstöre ich wohl wieder einige Weltbilder, denn nach einem gesellschaftlichen Mythos zufolge sehen wir Behinderte unsere Ärzte häufiger als unsere engsten Freunde. Zu den meisten meiner Ärzte führe ich freundliche aber unverbindliche Langzeit-Zweckbeziehungen, die ich nicht mehr als 2 bis 3 Mal im Jahr auffrische. Nur in einem Bereich scheine ich beziehungsunfähig zu sein, jedenfalls halten Zahnärzte und ich es nie lange miteinander aus.

cc Lizenz by flickr/dierkschaefer

 

Ich hatte schon deutlich mehr Zahnärzte als Lebensabschnittsgefährten. Einer oder zwei sind auf natürlichen Wege aus meinem Leben verschwunden, also durch Umzüge. Mit dem Rest habe ich teils ziemlich schmerzhafte Trennungszenarien erlebt, bei denen ich stets die Rolle der Verlassenen zugeteilt bekam. Das Schlimmste war aber für mich nie das Ende selbst, sondern immer die Tatsache, wieder von vorne anfangen zu müssen.

Barrierefreie Praxen sind sehr selten

Die erste Frage, die ich auf der Suche beantworten muss, ist natürlich die Frage, die sich alle Rollstuhlfahrer täglich überall stellen: Gibt es Treppen? Besonders bei Zahnärzten ist die Antwort leider oft, dass die Praxen nicht ebenerdig zu erreichen sind. Erst vor ein paar Tagen habe ich gelesen, dass dies sogar mehr Folgen hat als ich vermutet hatte.

Barrierefreie Praxen verschweigen ihre Barrierefreiheit auf Arztportalen im Internet, weil sie Angst haben, von behinderten Patienten aus Mangel von Alternativen wortwörtlich überrollt zu werden. Zum Glück sind in den letzten Jahren einige Zahnarztpraxen entstanden, die versuchen diesen Teufelskreis durchzubrechen, indem sie sich mit ihren Zahnbehandlungen auf Menschen mit Behinderungen spezialisieren. Allerdings liegen diese Praxen meist nur in Großstädten wie Hamburg oder Berlin.

Barrierefreiheit endet nicht am treppenlosen Eingang

Nach gefühlten 5 Stunden Googlezeit und 6 Telefonaten findet sich dann doch eine barrierefreie Praxis. Danach fängt für mich aber erst der richtig spannende Teil an: Wie reagiert der Arzt oder die Ärztin bei der ersten Behandlung auf mich? Gerade bei Zahnärzten erkenne ich deutlich, dass Barrierefreiheit nicht nur aus einem treppenlosen Eingang – oder aus Schildern mit Blindenschrift besteht, sondern vor allem in der Einstellung der Menschen liegt.

Ich kann keine 5 Minuten den Mund aufhalten, ohne mindestens einen Erstickungsanfall zu bekommen, auch nicht, wenn man mir 10 mal mitteilt, dass ich durch die Nase atmen soll. Die einzige Lösung ist, zwischendurch den Mund zu schließen und einmal zu schlucken. Ich weiß, dass das unpraktisch und zeitaufwendig ist, aber damit müssen wir beide leben, der Zahnarzt und ich.

Leider neigen die meisten Zahnärzte eher zu Ungeduld, was bei einer Angstpatientin (ja, auch das bin ich noch) eher zu ungewünschten Reaktionen führt. Am Ende kommt dann wieder die Erkenntnis, dass in der Liebe und bei Zahnärzten zwei gemeinsame Grundsätze herrschen: Wer in meinem Mund will, muss nett sein. Sehr nett. Ansonsten haben andere Mütter auch (schöne) Söhne und Töchter, die Zahnärzte sind.

dieser Beitrag ist in freundlicher Zusammenarbeit mit der Praxis Dr. Seidel entstanden

3 Kommentare zu Barrierefreiheit beim Zahnarzt

  1. Wäre ich Zahnarzt, ich denke, ich würde Sie nicht behandeln wollen

  2. Jetzt wo ich diesen Artikel gelesen habe, musste ich tatsächlich erschreckend darüber nachdenken, das mir tatsächlich keine mir bekannte Praxis einfällt die Barrierefrei ist. Nicht selten kommt es doch vor, das Praxen im Obergeschoss sind und dann auch noch in einem Haus ohne Fahrstuhl. Ich hoffe das sich in naher Zukunft diesbezüglich was ändert.

  3. Also in meiner Stadt haben wir eine barrierefreie Praxis, die echt super ist. Auch die Zahnärzte dort sind super und nehmen sich viel Zeit für ihre Patienten. Deswegen kann ich dir nur empfehlen nach einem anderen Zahnarzt zu suchen, wenn du mit deinem nicht so ganz zufrieden bist – es gibt nämlich auch gute Zahnärzte bei denen der Besuch sogar „Spaß“ machen kann 🙂

    PS: Möchte anmerken, dass ich in einer Kleinstadt wohne und daher nicht weiß, ob das nur daran liegt oder die Ärzte in kleineren Städten grundsätzlich besser sind.

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